Für meinen Vater

Heute widme ich meinen Beitrag einem schweren Thema, womit sich nur wenige freiwillig befassen möchten, aber zwangsläufig damit konfrontiert werden. Es geht um den Tod und was damit einhergeht. Dies alles hier ist aus meiner Sicht geschrieben, es geht um meine Gedanken dazu und meine Gefühle, weil ich vor geraumer Zeit mit dem Thema Tod konfrontiert wurde. Ich wünschte, es wäre nicht so. Ich habe meinen Vater verloren, den ich fortan in meinem Herzen mit mir trage.

Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich mir erhoffe, dass mein Schmerz um seinen Verlust etwas nachlässt. Ich schreibe diesen Beitrag aber auch, weil ich denke, dass in unserer Gesellschaft immer noch zu wenig zugelassen wird, seine Trauer zu zeigen. Weil wir alle viel zu schnell nach Schicksalsschlägen wieder „funktionieren“ (sollen). Weil der Trauer zu wenig Raum gelassen wird.

Nach dem Tod geht es weiter – was ist damit gemeint: Das Leben des Verstorbenen? Dein Leben? Mein Leben? Der Alltag? Die Trauer? Die Erinnerung? Der Schmerz? Die Wut? Die Erleichterung? Der Glaube an Gott? Das verlorene Vertrauen in Gott? 

Was ist es denn nun, was nach dem Tod bleibt, und was genau geht denn „weiter“? Kann man diese Frage überhaupt klar beantworten? Gibt es überhaupt eine richtige Antwort darauf? 

Was macht der Tod mit uns oder die Frage nach Trauerarbeit

Meine Antworten sind: mir hat der Tod den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich stand neben mir, als ob ich mir selbst zuschaue beim ganzen Geschehen. Trotz unzähliger Gedanken, die ich mir in meinem Leben um den Tod machte, trotz des Bewusstseins, dass der Tod irgendwann jeden Menschen einholt – es traf mich plötzlich. Ich fühlte mich nicht vorbereitet. Ich war nicht bereit, loszulassen. Und auch jetzt, in diesem Augenblick, zerreißt es mir vor Sehnsucht das Herz. Die Tränen scheinen nie zu versiegen. Müssen sie es denn, frage ich mich? Auf einmal ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht mehr da. Und ich denke an den Song von Glashaus, wo es heißt: „Haltet die Welt an, es fehlt ein Stück, haltet die Welt an, sie soll stehn!“

Trauerarbeit

1000 Dinge im Alltag erinnern mich an Erlebnisse, vergangene Zeiten. Es werden alte Bilder hervorgekramt, ich erinnere mich an die dazugehörenden Ereignisse. Ich fühle die Kleidung, die Möbel, ich rieche an der Jacke. Ich streichle ein Stück Holz, was mein Vater zuletzt bearbeitet hat in seinem Werkraum, ich spüre seine Hände auf dem Holz, höre das Geräusch, was die Hände beim Drübergleiten verursachen. Ich fühle mich ihm ganz nahe und doch so fern. Wie auch sonst jeden Tag dokumentiere ich meinen Tag, meine Gefühle mit dem Fotografieren. Visuelles Tagebuch schreiben. Es hilft mir etwas über den Schmerz hinweg und gleichzeitig tut es doch weh. Ich habe das Bedürfnis, in die Kirche zu gehen. Das Beten tut gut, die reglementierten Abläufe in der Messe sind etwas, worauf ich mich verlassen kann. Es spendet mir Trost und lässt mich seltsamerweise einen Augenblick zur Ruhe kommen. Hier gerät nichts aus der Bahn, es tut mir einfach nur gut.

Circle of Life

Das Sterben und der Tod lassen sich nicht in einfache Worte fassen. Die meisten Menschen haben Angst vor dem Sterben und dem Tod ihrer Liebsten. Es ist so absurd, dass der Tod zum Leben dazu gehört, auch wenn mir jemand 1000 mal erklärt, dies sei der Kreislauf des Lebens.

Kein Happy End

Und weil das Leben nun mal nicht immer rund läuft und es nicht immer ein Happy End gibt: ich habe an dieser Stelle keine schönen anschließenden Worte. Ich lasse Fragen offen, lasse den Kummer zu. Ich lasse meine Tränen fließen. Ich gebe mir Raum und Zeit zu trauern.

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