Hallo und willkommen zurück in Prag!

Erinnerst du dich noch? Wir sind im Innern der Prager Burg und die Reise geht weiter zum Goldenen Gässchen – oder, auf tschechisch genannt, Zlatá ulička. Vielleicht fragst du dich, warum diese winzige Straße Goldenes Gässchen heißt und was es mit dem Namen auf sich hat. Ich möchte dir dies im folgenden Text erklären. Wenn du aber vorher wissen willst, wie ich zum Goldenen Gässchen kam, dann bitte hier entlang.

Einsame Taube, Goldenes Gässchen, Prag
Eine Taube hat sich verirrt im sonst leeren Goldenen Gässchen

 

Hier wohnten eine Zeit lang Alchemisten. Diese hatten die Aufgabe von Kaiser Rudolf II. bekommen, künstlich Gold herzustellen. Auch dienten die Häuser als Unterkunft für die kaiserlichen Wachen. Und letzten Endes wohnten noch viele Goldschmiede hier. Das wird wohl der Grund sein, warum das Gässchen seinen Namen trägt.

Im „Goldmachergässchen“ befinden sich die paar wenige kleinen Häuschen – und könnten sie reden – ja, dann hätten sie gewiss eine Menge Geschichten zu erzählen: traurige Geschichten, die einem das Herz zerreißen würden, aber vielleicht auch Geschichten voller Sehnsucht, Liebe und Freude. Gebaut wurden die Häuschen im 16. Jahrhundert – unfassbar, wie alt diese schönen Bauwerke sind!

Heute lebt in den Häusern keiner mehr, sie werden für den Tourismus genutzt und dienen dem Souvenier-Verkauf und bieten Verköstigungen dar. Um es vorweg zu nehmen für dich als vielleicht zukünftigen Besucher des Goldenen Gässchens: wer sich dieses anschauen möchte, muss Eintritt zahlen und sich meist durch die vollgestopfte Gasse quälen. Dies war keine berauschende Vorstellung, muss ich sagen – oder hast du schon mal in vollgestopften Gassen alles ausführlich und entspannt betrachten können? Ich denke, das kommt selten, oder gar nicht vor.

Also hieß es: warten bis zum frühen Abend – da sind die Touristenmassen weg, kein Eintritt für vollgestopfte Gassen, die dafür vorgesehenen Schranken sind abends bei Seite geräumt.

Goldenes Gaesschen Prag

Kurz vor Schließung (ca. 20 Uhr) herrscht eine magische Atmosphäre und die Stille fühlt sich ganz besonders an. Die winzigen Häuser lassen mich an Schneewittchen denken – kaum zu glauben, dass Menschen darin mal eine Vielzahl ihrer Lebensjahre verbracht haben. Sie wirken auf mich wie Häuser aus Grimm’s Märchenwelt.

Abendsonne taucht das Goldene Gässchen in zauberhaftes Licht
Die Abendsonne verleiht dem Goldenen Gässchen einen romantischen Zauber

 

 

Das Jahr 1916 und 1917: könnte ich die Zeit zurückdrehen, so wäre ich liebend gerne mal im Goldenen Gässchen herumspaziert und hätte dort mit großer Wahrscheinlichkeit Franz Kafka getroffen. Dieser wohnte nämlich zu jener Zeit im Haus Nr. 22 und daran erinnert die Gedenktafel am Haus. Ich musste ständig daran denken, als ich durch die Gasse schritt und irgendwie machte sich ein ehrwürdiges Gefühl in mir breit.

 

 

 

Hier lebte Franz Kafka
Gedenkschrift am Haus 22. „Hier lebte Franz Kafka“

 

 

 

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