„Och nöööö“, denkt sich vielleicht jemand hier beim Lesen, „nicht noch so ein sentimentaler politisch-schwülstiger Beitrag zum Tag der Deutschen Einheit, ich kann’s nicht mehr hören!“ Nun, mir geht es auch gar nicht darum, politische Reden zu schwingen, dazu fühle ich mich auch wahrhaft nicht berufen. Worum es mir geht, das ist Folgendes.

Mir ist aufgefallen, dass Feiertage oftmals an mir vorbeirauschen. Gedanken begleiten mich wie „Gott sei Dank, da hab ich frei und kann ausschlafen und hab keine Verpflichtungen …“ Wenn ich zurück denke, dann geht es mir nicht selten in der Weihnachtszeit so, zu Ostern, Neujahr – ach, ich könnte die Liste um all unsere Feiertage erweitern, die wir hier feiern! Aber mal ganz ehrlich: ist es nicht auch mal schön, sich wenigstens ein paar Minuten Zeit zu nehmen an dem Feiertag und innezuhalten? Wie wäre es, wenn ich dieses Jahr mal kurz nachdenke, was überhaupt für ein Feiertag ansteht und wie ich dazu stehe? Tag der Deutschen Einheit. „Ja, prima, diesmal fällt er auf einen Werktag und viele von uns haben frei.“ Manchen ist der Sinn hinter diesem Feiertag vollkommen egal, aber bei vielen Menschen hat sich durch die Maueröffnung das Leben gravierend verändert. Und auch bis heute wirkt dies nach. Meine Meinung dazu? Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Mauer weg ist. Ich bin dankbar, dass Menschen, die sich früher kaum, gar nicht, oder nur unter erschwerten Bedingungen sehen konnten, heute wieder zueinander gefunden haben. Geschichten aus der Zeit haben mir schon einige Zeitzeugen erzählt. Jede davon war berührend. Ich bin dankbar, dass ich dadurch großartige Freunde und Bekannte gewonnen habe, die ich heute sonst nicht kennen würde. Und ja, die „neuen“ Bundesländer sind inzwischen gar nicht mehr so neu. Der berühmte Mauerfall, das war 1989 und ist schon lange her.

Und immer noch gibt es Vorurteile und Hass, weil vieles den Menschen fremd ist. Bis heute noch. Öffnen wir mal für einen Augenblick unser Herz und gehen auf Menschen zu, die auf den ersten Anschein ein vollkommen anderes Leben geführt haben. Wie sind denn „die Anderen“ so? Sind sie wirklich so anders? Komplett anders? Oder sind da Gemeinsamkeiten? Und falls ja, welche? Woran liegt das?

Ich habe erst kürzlich in Leipzig großartige Erfahrungen gemacht und viel gelernt: öffne ich mein Herz und gehe auf mein Gegenüber ein, entwickeln sich großartige Begegnungen, die ich wie einen Schatz in mir trage. Probiert es mal aus, genießt den Tag der Deutschen Einheit. Kommt ins Gespräch mit jemandem, das Gegenüber hat bestimmt wertvolle Dinge zu erzählen. Ich wünsche mir von mir selbst, dass ich wieder bewusster mit Feiertagen umgehe. Dass ich auch mal den wahren Sinn eines Feier- oder Ruhetages nutze. Dass ich mal innehalte, ruhig werde und nachdenke, über das, was ist. Was hältst du davon, liebe Leserin und lieber Leser? Machst du mit?

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